Mit der Rückkehr des Elchs nach Brandenburg kehrt eine Tierart zurück, die über Jahrhunderte aus unserer Landschaft verschwunden war. Während Elche einen wertvollen Beitrag zur biologischen Vielfalt leisten, bringt ihre Anwesenheit auch neue Herausforderungen mit sich. Dazu gehören beispielsweise Begegnungen mit Menschen, Verkehrsunfälle oder mögliche Schäden in Land- und Forstwirtschaft.
Um auf solche Situationen vorbereitet zu sein, werden sogenannte Managementpläne erstellt. Sie dienen als fachliche Grundlage für Behörden, Landnutzer, Naturschutz, Jagd und Öffentlichkeit und beschreiben, wie mit einer zurückkehrenden Tierart sachgerecht umgegangen werden kann.
Managementpläne dienen als fachliche Grundlage für Behörden, Landnutzer, Naturschutz, Jagd und Öffentlichkeit. Ein Elch-Managementplan verfolgt dabei mehrere Ziele:
Er bündelt den aktuellen Wissensstand über Vorkommen, Biologie und Verhalten des Elchs.
Er definiert Zuständigkeiten und Handlungsmöglichkeiten für Behörden und Einsatzkräfte.
Er beschreibt Maßnahmen zur Konfliktvermeidung und zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit.
Er schafft Transparenz und unterstützt eine sachliche Information der Bevölkerung.
Er bildet die Grundlage für ein langfristig konfliktarmes Zusammenleben von Mensch und Elch.
Wichtig ist dabei: Ein Managementplan dient nicht dazu, die Ansiedlung von Elchen aktiv zu fördern oder zu verhindern. Vielmehr soll er einen Rahmen schaffen, um auf die natürliche Rückkehr der Art vorbereitet zu sein und auftretende Situationen fachlich fundiert bewerten zu können.
Ein Elch-Managementplan ist in erster Linie ein Leitfaden für den Umgang mit einer zurückkehrenden Wildtierart. Ziel ist ein konfliktarmes Zusammenleben von Mensch und Elch – durch Monitoring, Information, Prävention und klare Handlungsempfehlungen.
Im Jahr 2013 veröffentlichte das Land Brandenburg den ersten Elch-Managementplan. Er entstand vor dem Hintergrund zunehmender Elchnachweise und legte Strategien sowie Handlungsempfehlungen für den Umgang mit zuwandernden Elchen fest.
Inzwischen haben sich sowohl die Datenlage als auch die Erfahrungen im Umgang mit Elchen deutlich erweitert. Daher wird derzeit ein neuer Leitfaden beziehungsweise Managementansatz für Brandenburg erarbeitet. Dieser berücksichtigt aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, die Erfahrungen aus dem Monitoring sowie die Ergebnisse verschiedener Forschungsprojekte. Die Veröffentlichung des neuen Dokuments steht derzeit noch aus.
Die Entwicklung des Elch-Managements zeigt, dass die Rückkehr des Elchs nicht als kurzfristiges Phänomen betrachtet wird, sondern als Teil eines langfristigen Prozesses, der wissenschaftlich begleitet und gesellschaftlich gestaltet werden muss.
Im Februar 2018 hielt sich ein junger Elchbulle auf einer Rinderweide im Landkreis Potsdam-Mittelmark südlich von Berlin auf. Aus Sorge, dass die Anwesenheit des Elches zu Unruhe in der Rinderherde und möglicherweise zum Ausbruch von Weidetieren führen könnte, wurde bei der zuständigen Behörde die letale Entnahme des Elches beantragt.
Im Rahmen der behördlichen Prüfung wurde jedoch zunächst ein milderes Mittel gewählt. Der Elch wurde am 27. Februar 2018 durch einen spezialisierten Wildtierarzt und Mitarbeiter der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) mittels Distanzimmobilisation narkotisiert, von der Weide verbracht und anschließend an geeigneter Stelle wieder freigelassen. Im Zuge dieser Managementmaßnahme erhielt der junge Bulle ein GPS-Halsbandsender.
Der Senderelch mit dem Namen „Bert“ wird seitdem kontinuierlich telemetrisch überwacht. Mit inzwischen mehr als acht Jahren ununterbrochener Telemetrie zählt „Bert“ zu den am längsten wissenschaftlich überwachten freilebenden Elchen weltweit. Das Beispiel zeigt, wie durch eine verhältnismäßige Managemententscheidung sowohl ein Konflikt gelöst als auch ein bedeutender wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn erzielt werden konnte.
Im Sommer 2019 hielt sich erstmals seit mehreren Jahrhunderten wieder ein Elch über einen längeren Zeitraum im Raum Eberswalde auf. Der damals etwa eineinhalbjährige Elchbulle wurde erstmals am 4. August 2019 im Eberswalder Stadtforst nachgewiesen. Spätere genetische Untersuchungen ergaben, dass das Tier aus der Biebrza-Region in Ostpolen eingewandert war.
Am 11. September 2019 wurde der Elch nahe der Bahngleise im Eberswalder Ortsteil Nordend bewegungsunfähig aufgefunden. Die Untersuchung zeigte, dass der Elch nach einer Kollision mit einem Zug schwerste Verletzungen erlitten hatte. Aus Gründen des Tierschutzes musste der Elch daher vor Ort erlöst werden.
Aufgrund seiner besonderen wildbiologischen Bedeutung wurde der Tierkörper anschließend gesichert und präpariert. Heute befindet sich der „Eberswalder Elch“ als Standpräparat in der wildbiologischen Lehrsammlung der HNEE und dient dort als Anschauungsobjekt für Lehre, Forschung und Öffentlichkeitsarbeit.
Die beiden Beispiele zeigen die Bandbreite des modernen Wildtiermanagements: Während im Fall des Senderelchs „Bert“ durch eine schonende Intervention wertvolle wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden konnten, machte der Fall des Eberswalder Elchs deutlich, dass in Einzelfällen auch tierschutzgerechte Nottötungen erforderlich sein können. Gemeinsam ist beiden Fällen das Ziel, Entscheidungen auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse, des Tierschutzes und einer sorgfältigen Abwägung aller Handlungsoptionen zu treffen.
Jede Sichtung zählt
Das Elchmonitoring in Brandenburg ist auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen. Senden Sie uns Ihre Elchfotos, Videos oder Sichtungsmeldungen und leisten Sie damit einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Elche in Brandenburg.